Grundlagen: Die Verschlusszeit

Was ist die Verschlusszeit?

Neben der Blende und der ISO-Zahl ist die Verschlusszeit der dritte Wert, denn man beim Fotografieren im manuellen Modus einstellen muss. Die Verschlusszeit wird auch Belichtungszeit oder im englischen „shutter speed“ genannt. Dieser Wert beschreibt die Zeit, wie lange die Kamera Licht auf den Sensor einfallen lässt und ist ein essentielles Mittel der Bildgestaltung.Was beeinflusst die Verschlusszeit?

Neben der Dauer des Lichteinflusses, wird auch die Bewegung durch die Verschlusszeit definiert. Zum einen hat man die Bewerbung des fotografierenden Objektes und zum anderen die Bewegung beziehungsweise das Wackeln des Fotografen. Gehen wir erstmal auf den Punkt des zu fotografierenden Objektes ein.

Möchte man also zum Beispiel strömendes Wasser fotografieren, dann hat man die Wahl das Wasser „einzufrieren“ oder es „ziehen“ zu lassen. Für das „einfrieren“ muss eine schnelle Verschlusszeit gewählt werden. Eine pauschale Aussage über die genaue Verschlusszeit kann man nicht treffen.  Normalerweise reicht eine Verschlusszeit von ca. 1/125 Sekunden aus. In manchen Fällen muss eine kürzere Verschlusszeit gewählt werden. Möchte man hingegen das Wasser „ziehen“ lassen, dann sollte eine wesentlich längere Verschlusszeit genommen werden. Dabei kommt es natürlich auch wieder drauf an, wie schnell das Wasser fließt. Wenn ihr einen reisenden Wasserstrom habt, dann wird sicherlich eine Verschlusszeit von 1/10 bereits „ziehendes“ Wasser erzeugen. Je länger man den Verschluss geöffnet lässt, desto glatter wird das Wasser. Ab einer bestimmten Sekundenzahl (z. B. 10 Sekunden) verwandelt sich das Wasser schon fast zu Nebel. Probiert es mal aus! Und: Stativ nicht vergessen! 😉

Kurze Verschlusszeit: 1/125 Sekunden

Lange Verschlusszeit: 1" Sekunden

Faktor Fotograf

Wie bereits oben erwähnt gibt es aber auch noch den Faktor „Fotograf“. Fotografiert man aus der Hand, also ohne Stativ, dann muss man auch auf seine Verschlusszeit achten. Guckt man beim Fotografieren durch den Sucher, dann fällt einem auf, dass man etwas wackelt. Je länger die Brennweite ist, desto stärker merkt man das wackeln. Hat man also eine Brennweite von 10mm, dann wird man kaum merken, dass man etwas wackelt. Nimmt man aber eher ein Objektiv mit 200mm Brennweite, dann merkt man das Wackeln schon sehr.

Worauf möchte ich damit hinaus? Bei der Wahl der Verschlusszeit sollte man also nicht nur auf die Bewegungen vor der Linse, sondern auch auf das eigene Wackeln/Zittern achten. Hierbei ist es aber auch wichtig, was man für eine Brennweite benutzt.

Möchte man ein scharfes, unverwackeltes Bild haben, dann gibt es dafür eine Faustformel:

Verschlusszeit = Kehrwert der Brennweite

Heißt also: Fotografiert man mit einem 200mm Objektiv, dann sollte man eine minimale Verschlusszeit von 1/200 Sekunde nehmen. Es ist nur eine Faustformel, somit bei etwas anders! Manchen Fotografen würde eine 1/200 Sekunde reichen, um ein scharfes Foto zu schießen und bei anderen hingegen müsste man eher auf 1/320 Sekunde oder 1/400 Sekunde gehen. Hinzu kommt auch noch die Größe des Sensors. Die eben beschriebene Faustregel kommt aus der analogen Fotografie, wo man von Kleinbild-Sensoren verwendet hat. Heute gibt andere Sensoren, wie zum Beispiel ein Crop-Sensor. Damit die Faustregel etwas genauer für solche Sensoren ist, muss man noch den Crop-Faktor dazu rechnen. Nehmen wir als Beispiel einen Canon APS-C Sensor. Hier müsste man bei einem 200mm Objektiv den Faktor 1,6 berücksichtigen. Die Faustregel wäre hier also: 200*1,6 = 320, somit haben wir eine Verschlusszeit von 1/320 Sekunde.

Beeinflussung durch den Bildstabilisator

Ein Bildstabilisator beeinflusst die oben beschriebene Faustformel ein wenig. Je nach Qualität des Bildstabilisators, kompensiert ein Bildstabilisator unterschiedlich viel. Bei einem ordentlichen Bildstabilisator geht man von 2-3 Blendenstufen aus.

– Ohne Bildstabilisator: 200mm = 1/200 Sekunden (Kehrwert)

– Mit Bildstabilisator, welcher 2 Blendenstufen „stabilisiert“: 1/200s * 1/2s * 1/2s = 1/50 Sekunden

Ausgegangen wird von der Faustformel, somit auch hier: Bei jedem etwas anders! Im Zweifelsfall, sollte man die Zeit etwas kürzer einstellen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Es gibt noch weitere Faktoren, die man eigentlich berücksichtigen müsste, jedoch wäre das für eine „Faustregel“ viel zu komplex.

Beeinflussung durch den Bildstabilisator

Ein Bildstabilisator würde hier logischerweise auch nochmal die Verschlusszeit beeinflussen. Je nach Qualität des Bildstabilisators, kompensiert ein Bildstabilisator unterschiedlich viel. Bei einem ordentlichen Bildstabilisator geht man von 2-3 Blendenstufen aus. Wenn wir beim Beispiel von oben bleiben und ein Motiv, welches sich selbst kaum oder gar nicht bewegt, fotografieren, so würde folgende Rechnung gemacht werden:

– Ohne Bildstabilisator: 200mm = 1/200 Sekunden (Kehrwert)

– Mit Bildstabilisator, welcher 2 Blendenstufen „stabilisiert“: 1/200s * 1/2s * 1/2s = 1/50 Sekunden

Auch hier handelt es sich um eine Faustformel. Im Zweifelsfall, sollte man die Zeit etwas kürzer einstellen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Wirkung auf das Bild

Wie man sieht, ist die Verschlusszeit ein sehr wichtiger Faktor für das Foto. Neben der Bewegung und der Lichtmenge, sorgt die Verschlusszeit aber auch für eine komplett andere Wirkung auf das endgültige Foto. Viele setzen dieses Gestaltungsmittel oft nur bei Wasser oder Himmel ein. Jedoch gibt es etliche andere Einsatzgebiete für unterschiedliche Belichtungszeiten. So zum Beispiel kann in der Astrofotografie ein komplett anderes Bild entstehen, wenn man eine andere Verschlusszeit verwendet.