Grundlagen: Die Blende

Die Blende ist die mechanische Vorrichtung im Objektiv, mit der sich die Blendenöffnung steuern lässt. Neben der Verschlusszeit und dem ISO-Wert, ist die Blende eins der wichtigsten Einstellungen, die beim Fotografieren im manuellen Modus einstellen muss. Die Blende wird im englischen „Aperture“ genannt. Somit sollte klar sein, wofür das „A“ beim Blendenvorwahl-Modus steht.

Wie viel Licht auf den Sensor gelangt und wie die Tiefenschärfe im Bild ist sind die zwei Hauptmerkmale der Blenden.

Die Tiefenschärfe sorgt für den  ‚Wow-Effekt‘

Der Grund dafür ist meistens der sogenannte „Bokeh-Effekt“. Der Bekeh-Effekt wird hauptsächlich durch die Blende bestimmt. Einen Bokeh bekommt man durch eine offene Blende. Eine offene Blende wird durch eine kleine Blendenzahl erzeugt. So ist zum Beispiel mit einer Blende f/2.8 ein sehr guter Bokeh-Effekt möglich. Durch eine kleine Blende ist die Tiefenschärfe im Bild sehr klein. Das bedeutet, dass eine bestimmte Distanz zur Linse scharf dargestellt wird und alles was davor und dahinter liegt freigestellt wird. Etwas „freistellen“ bedeutet nichts anderes, als dass vor und hinter dem fokussierten Objekt alles unscharf bzw. verschwommen dargestellt wird.

Möchte man jedoch sein Foto von vorne bis nach hinten durchgehend scharf haben, dann muss man seine Blende weiter schließen und somit eine größere Blendenzahl wählen. Eine pauschale Aussage über „welche Blende brauche ich für eine durchgehende Schärfe?“ gibt es nicht. Es kommt nämlich immer drauf an, wie nah sich das erste und das letzte scharf abzubildende Objekt von einander befinden. Die Blende f/8 ist jedoch bei den meisten Aufnahmen sehr gut für eine durchgehende Schärfe geeignet, auch wenn man das – wie bereits erwähnt – nicht pauschal sagen kann.

Neben der Wahl der Blende ist es also auch wichtig wie weit sich die jeweiligen Objekte von einander befinden. Wie in vielen anderen Fällen spielt hier aber auch die genutzte Brennweite eine wichtige Rolle. Am folgenden Beispiel wurde ein 15mm Ultra-Weitwinkel Objektiv auf nur sehr kurzer Entfernung zur ersten Blume benutzt. Der Fokus liegt jeweils auf der dritten Reihe der Blumen.

Da das ganze hier nun etwas komplexer wird, möchte ich das ganze an zwei Aufgaben durchspielen.

Aufgabe 1: Portrait-Aufnahme mit 85mm f/1.4

Man möchte ein Portrait schießen, wo das Model scharf und der Hintergrund unscharf dargestellt wird. Wir stehen einige Meter (2-5m) vom Model weg und der Hintergrund ist über 10m vom Model entfernt.

Zur verfügung stehendes Objektiv: 85mm f/1.4 auf einer Vollformat-Kamera

Den Hintergrund unscharf zu bekommen wird in diesem Fall gar kein Problem sein. Mit 85mm können wir uns einige Meter vom Model stellen und eine offene Blende von f/1.4 auswählen. Alle anderen Werte werden dann passend eingestellt, so dass die Belichtung korrekt ist. Das Model sollte – wenn korrekt fokussiert – scharf und der Hintergrund unscharf dargestellt sein: Wir haben das Model somit freigestellt und die Aufgabe erfüllt.

Wichtig zu verstehen: Gehen wir näher zum Model und machen eine Gesichtsaufnahme, dann wird der Hintergrund noch unschärfer. Rücken wir zusammen mit dem Model näher zum Hintergrund, dann wird der Hintergrund – bei gleichen Einstellungen – immer schärfer.

Was passiert, wenn wir die Blende weiter schließen? Statt einer Blende f/1.4 nehmen wir jetzt mal eine Blende f/10.  Durch das schließen der Blende, erreichen wir eine größere Tiefenschärfe. Das daraus resultierende Ergebnis wäre ein weitaus schärferes Gesamtbild. Das fokussierte Model ist scharf, aber auch der Hintergrund wird scharf dargestellt. Je weiter wir uns vom Model entfernen, desto schärfer wird der Hintergrund. Je näher wir uns zum Model bewegen, desto unschärfer wird der Hintergrund. Mit dieser Einstellung kriegen wir den Hintergrund jedoch nie so unscharf, wie mit einer Blende f/1.4.

Bei Landschaftsaufnahmen ist das ganze sehr ähnlich, aber auch zu gleich wesentlich einfacher. Meistens möchte man ein durchgehend scharfes Bild und nutzt ein (sehr) weitwinkeliges Objektiv. Ein weitwinkeliges Objektiv wäre zum Beispiel ein 24mm Objektiv. Ein Ultra-Weitwinkel Objektiv wäre somit zum Beispiel ein 15mm Objektiv. (Auf Vollformat)

Aufgabe 2: Landschaftsaufnahme mit 15mm f/2.8

Wir möchten an einem Sommertag eine Landschaft abbilden, wo unser Hauptmotiv recht weit weg (50-100m) von uns befindet.

Zur Verfügung stehendes Objektiv: 15mm f/2.8 auf einer Vollformat-Kamera

Haben wir also unser 15mm Objektiv und wollen ein scharfes Bild machen, dann können wir die Blende f/8 – f/11 nehmen und haben somit in den meisten Fällen ein scharfes Bild. Selbst mit einer f/4, würden wir in den meisten Fällen ein recht scharfes Bild bekommen. Grund dafür ist zum einen die Brennweite vom Ultra-Weitwinkel Objektiv und zum anderen die Entfernung zum Objekt. Folgendes Foto wurde zum Beispiel mit einer Blende f/5.6 gemacht.

Angeln zur späten Stunde

Die Blende f/8 ist bei Landschaftsaufnahmen sehr beliebt. Gründe dafür sind die Schärfe und die Qualität. Die meisten Objektive bieten die beste schärfe zwischen f/5.6 und f/10. Vor der Blende f/5.6 sind viele Objektive zwar recht scharf, jedoch nicht „knack-scharf“ und haben teilweise noch auffällig Vignettierungen. Ab Blende f/11 verlieren die meisten Objektive deutlich an Qualität. Dies sieht man immer recht gut in den Details. Somit stellt die Blende f/8 ein gutes Qualitäts- und Schärfe-Verhältnis dar und wird somit sehr gerne von Landschaftsfotografen genutzt.

Eine offene Blende lässt mehr Licht auf den Sensor

Das eine offene Blende mehr Licht auf den Sensor wirft, sollte also jetzt recht leicht erklärbar sein. Je offener die Blende, desto mehr Licht kann durch die Blendenöffnung auf den Sensor fallen. Je mehr Licht auf den Sensor fällt, desto heller wird das Gesamtbild. Je schneller die gewünscht Lichtmenge (für eine korrekte Belichtung) auf dem Sensor ist, desto kürzer kann die Verschlusszeit gewählt werden.

Alles also gar nicht so schwer, oder? 🙂